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Diese Reise beginnt am Freitag, 20.02.2009 mit CM und GSK von Bremen über Frankfurt nach Accra. Ankunft in Accra mit fast anderthalb Stunden Verspätung gegen 20 Uhr Ortszeit.
Accra. Heiß. Feucht. Schwarze Nacht. Immigration reibungslos. Koffer alle da. Werden wir abgeholt? Trotz der großen Verspätung? Ja!! Nach wenigen Minuten sind wir im GILLBT Guesthouse (Ghana Institut for Linguistic and Literal Bible Translation). Netter Empfang. Wir haben noch keine ghanaischen Cedis. Naana, die Rezeptionistin zahlt für uns. Wir können bei ihr mit USD zahlen.
Großes Appartment für uns drei. Alles in Ordnung. Ich merke, wie meine Anspannung nachlässt. Angekommen!!
Wir haben kein Wasser - die Flaschen im Kühlschrank sind offen. Alle Läden geschlossen, also Wasser abkochen und und heiß trinken und zum Zähneputzen verwenden. Der Tag war lang und untergründig aufregend.
Die ersten Tage dieser Reise habe ich selber organisiert. Deshalb müssen wir selber an alles denken und auch einkaufen. An Wasser haben wir im Flughafen nicht gedacht, da war nur spannend, ob wir abgeholt würden – oder nicht.
Samstag, 21.02.09
Erst am nächsten Morgen sehen wir, dass das Guesthouse von einem schönen Garten umgeben ist. Englisches Frühstück im Dining Room.
Wir wollen nach Agogo, unseren Bremer Lionsfreund I. im Agogo Presbyterian Hospital besuchen, für das er schon seit fast 10 Jahren tätig ist. Ich hatte im Guesthouse gebeten, uns einen Fahrer zu organisieren. Es kommt George, unser Taxifahrer. Unser Gepäck passt nicht in den Kofferraum, also muss ein Koffer mit auf den Rücksitz. Wir fahren ja nur 5 Stunden. Bevor es losgeht, müssen wir Geld tauschen, Wasser einkaufen, einen Telefonchip besorgen.
Forex: der Kurs ist schlecht. KOLA: der Supermarkt lässt keine Wünsche offen, überwiegend weißes Publikum, auch Deutsche. An einem der Kioske am Straßenrand kaufen wir – vom Auto aus- einen Telefonchip von MTN, einer südafrikanischen Telefongesellschaft, die den ghanaischen Markt dominiert, und Guthabenkarten. Da ich im vergangenen Jahr in 12 Tagen 250 Euro vertelefoniert habe, will ich es diesmal anders probieren. Nach einigen Versuchen funktioniert mein Ghana Handy.
Gegen Mittag sehe ich ein Hinweisschild auf LINDA d´OR, ein großes Restaurant. Unser Lionsfreund hatte es empfohlen. Wir machen eine Pause, essen local food. Es schmeckt - ist ziemlich scharf - und wie wir später feststellen - sehr bekömmlich. Ich erreiche Dr. I mit meinem Ghana Handy. Der Technikfreak in mir ist begeistert.
George übersieht in Konongo den Abzweig nach Agogo, fährt weiter. Nach der Karte sind wir zu weit , er wendet, fragt. Wir finden die richtige Straße. Noch ein Anruf. Ja wir sind richtig, nur noch einige Kilometer.
In AGOGO, ich weiß die Adresse des Hospitals nicht, langsam durch die Highstreet, auf Schilder achtend. Ein großes Schild und daneben unser Lionsfreund. Angekommen!
Einchecken! Wir bekommen den Schlüssel zum Haus einer deutschen Ärztin. Sie ist nicht da. Auf den Betten ein Zettel: bitte bedienen Sie sich. Für hiesige Verhältnisse luxuriös. Viel Platz, fließend Wasser, sogar heißes – so heiß, dass ich mir fast die Finger verbrenne. Und WLAN. Nur leider gerade kein stabiles Netz, also kein Internetzugang.
Beim Kaffee und am Abend Gespräche mit dem Doktor. Er berichtet von seinen Erfahrungen in Ghana, von Erfolgen und Misserfolgen. Eine gute Einstimmung für die nächsten Tage.
Sonntag, 22.02.09
Beim Aufwachen krähende Hähne und eine große Vielfalt an Vogelstimmen. Die Temperatur am frühen Morgen: angenehme 25 Grad.
Am Vormittag ein Gang über das Hospitalgelände und durch die Kinderstation. Diese Kinderstation wurde Anfang dieses Jahrhunderts durch die Initiative einer Bremer Ärztin, mit tatkräftiger Unterstützung unseres Lionsfreundes, vom LC Bremer Schweiz, mit Bremer und Bundesmitteln saniert und ausgebaut. Und sie wird ständig weiter entwickelt. Die neueste Errungenschaft sind Warmwasserboiler an den Waschbecken im Flur.
Es wurde ein baufälliges Küchen- und Waschhaus saniert, in dem die Mütter für sich und ihre Kinder kochen und waschen. Alle Patienten müssen von Familienangehörigen mit Essen versorgt werden. Auch das Toilettenhaus wurde saniert und zwei von der GTZ finanzierte Duschen integriert.
Auf dem Hospitalgelände gibt es eine Wasserversorgung aus großen Zisternen. Trinkwasser kann in kleinen Schläuchen – wie bei uns Milch – gekauft werden. Die deutschen Ärzte und Wissenschaftler hier filtern ihr Trinkwasser mit Keramikfiltern.
Um 13 Uhr sind wir in KONONGO mit einem Priester aus der Diözese Konongo/Mampong in dem wahrscheinlich teuersten Restaurant der Stadt verabredet. Wir treffen einen charmanten jungen Mann, der hervorragend Deutsch spricht - ohne bayerischen Akzent, obwohl er in Augsburg studiert hat.
In dem Restaurant bekommen wir eine Karte mit europäischen Gerichten, fragen nach traditionellen Gerichten. Die angefragten Gerichte gibt es gerade nicht. Im Ergebnis essen wir eine von zwei typischen Varianten: Reis mit Huhn oder Fisch mit Tomatensauce.
Gleichzeitig mit uns im Restaurant sind sehr schön traditionell gekleidete Ghananer, der Chor aus der Gemeinde des Priesters. Sie halten ihr Vereinstreffen ab. Sie können es sich leisten, hier zu essen. Es wundert mich gar nicht mehr, als der Priester später erzählt, dass seine Gemeinde finanziell gut dasteht und er dadurch finanziell besser gestellt ist als seine Kollegen in anderen Gemeinden. Damit wird auch verständlich, dass Konongo neben Mampong Bischoffsitz ist und die Aussicht besteht, eine eigne Diözese zu werden.
Unser Gastgeber bereitet für Lionsfreunde in Bayern ein SODIS Projekt vor. Im Gespräch gibt es einen intensiven Austausch zur SODIS Methode und einen Abgleich zwischen den Erfahrungen, die wir in Ho gemacht haben und den Ideen und Vorstellungen, mit denen das Team hier das Projekt plant.
Die gemeinsamen Ziele sind eine nachhaltige Gesundheits- und Hygieneerziehung in Schulen und die Einführung der SODIS Methode an Orten, die dafür geeignet erscheinen
Wir werden noch eingeladen, die Kirche in Konongo zu besichtigen.
Montag, 23.02.09
Beim Frühstück fasst unser Gastgeber noch einmal die für ihn wichtigen Punkte zur Entwicklungshilfe zusammen:
Es sollte
Ÿ Geld gespendet werden, das die Empfänger frei verwenden können - z. B. für Medikamente in Klinikpackungen und-mengen
Ÿ Neues Material gespendet werden
Ÿ Empfänger gefragt werden, was sie wirklich brauchen
Ÿ Die vorhandene Infrastruktur berücksichtigt werden; z.B. die Energieversorgung und kulturelle Muster
Ÿ Der Spender versuchen die Situation und Perspektive des Empfängers zu verstehen; dazu sind - immer noch- persönliche Gespräche sehr hilfreich ( wie wir mit dem Priester erlebt haben)
Wir werden diese Punkte in den nächsten Tagen mehrfach diskutieren
Am Vormittag wollen wir nach PEKI fahren. Wieder mit einem Taxi. Ein baufälliger, gerade noch funktionsfähiger Opel Kadett fährt vor. Nicht sehr vertrauenserweckend.
Zunächst fahren wir tanken. Die "Tankstelle" ist ein Holzverschlag. Aus einem Fass wird mit bloßen Händen mit einem kleinen Gefäß Benzin in ein größeres Gefäß geschöpft und daraus durch einen Trichter in den Tank gegossen. Abenteuerlich!
Tankstellen gibt es in allen erdenklichen Varianten: Holzverschlag, Handpumpe aus Stahltank und moderne Tankstellen. Alles parallel und "in use".
Wir fahren los, der junge Mann fährt noch bei Familie und Freunden vorbei, um zu zeigen das er einen Auftrag mit Obroonis (Weißen)hat - das ist jedenfalls unsere Interpretation der Zickzack Fahrt durch Agogo. Und dann gibt er Gas, macht riskante Überholmanöver und erklärt uns wortreich, er sei ein guter Fahrer. Der Tacho bleibt auf Null stehen. Bei näherer Betrachtung des Geräts wird uns etwas mulmig. Wir bitten den Jungen wiederholt, langsamer zu fahren, in den Dörfern nicht über die Schwellen zu donnern etc.
Es stellt sich heraus, dass er nicht lesen kann, d.h. er kann Straßen- und Richtungsschilder nicht lesen. Aber er wird ärgerlich, wenn ich die Karte entziffere und ihm sage, in welche Richtung er fahren soll. Dann hält er noch einmal an und fragt jemanden nach dem Weg, der die Richtung meist bestätigt. Es ist ziemlich mühsam für beide Seiten.
Bei der Ankunft in Peki fragt SA, unser Gastgeber als erstes, wie wir mit solch einem Auto fahren konnten.
Alle sind froh, dass wir gut angekommen sind.
Unser Gastgeber ist der Dekan der theologischen Fakultät der privaten Universität der Evangelical Presbyterian Church of Ghana (EP Church). Die EP Church ist unser lokaler Partner im SODIS Projekt.
Am Abend ein wunderbares Abendessen in großer Runde. Ein weiterer Gast am Tisch unseres Gastgebers ist ein Professor aus den USA, der einen mehrwöchigen Kurs in Exegesse des Neuen Testamentes liest. Wir diskutieren im Wortsinne über Gott und die Welt auf drei Kontinenten.
Dienstag, 24.02.09
Am Vormittag kommt MK, ein Freund unseres Gastgebers. Er wird uns nach Tafo zum Monkey Sanctuary fahren. Auch er Pastor, ein Pfingstler aus Ho. Auch er ist nicht nur Pastor. Er arbeitet mit einer NGO im Bereich von Medikamenten und er hat an einer Diabetes Studie mitgearbeitet.
Auf einem Markt in Richtung Tafo kaufen wir Bananen, eigentlich für uns zum Essen. Wir verfüttern sie dann an die kleinen Affen. Die meisten sind sehr zutraulich und holen sich Bananenstücke aus der Hand.
Auf der Rückfahrt fotografiere ich in TODOME ein SODIS Schild, das ich bereits bei der Hinfahrt gesehen habe. Einige Frauen kommen dazu und freuen sich, fotografiert zu werden. Sie haben von SODIS gehört. Die Dorfältesten haben darüber gesprochen.
Zurück in Peki hören wir, dass MK sich beim Professor entschuldigt, dessen Lektion verpasst zu haben. Da der Principal ihn gebeten hatte, uns zu fahren, ist er gefahren. Wenn wir doch nur öfter vorher erfahren würden, wer was wirklich möchte. Wir hätten auch die Vorlesung anhören und danach fahren können. So ist das mit der interkulturellen Kompetenz. Alles nicht einfach.
Mittagspause. Ich sitze in der Bibliothek und schreibe an diesem Bericht. Der Stecker des Rechners, Adapter und Steckdose passen nicht zusammen. Die Batterie wird immer leerer. Hoffentlich finde ich in Ho einen passenden Adapter - sonst war es das mit dem Bericht.
An diesem Nachmittag ein heftiges tropisches Gewitter, wir sitzen auf unserer Terrasse und beobachten die Wassermassen. Ich mache ein kleines Regenvideo.
Später “unter uns” lassen wir den Tag Revue passieren. Die Kommunikation zwischen den Kulturen ist und bleibt schwierig. Dazu kommt die nicht auseichende Beherrschung der englischen Sprache, wenn es um persönliche Hintergründe, Bedürfnisse und Gefühle geht. Dies führt leicht zu Missverständnissen. In Wirtschaft und Politik ist es leichter zu kommunizieren.
Mittwoch, 25.02.09
SA kommt mir strahlend entgegen. Er hat sich entschlossen, meiner Einladung zum Kirchentag in Bremen zu folgen. Er muss eine Convention für hiesige Mitglieder der Kirche organisieren und möchte in Bremen lernen. Sehr schön - allerdings wieder eine neue Aufgabe. Diesmal werden wir die Rollen tauschen und ich seine Gastgeberin sein.
MK holt uns wieder ab, diesmal um auf den Mount Gemi in Amedzofe zu fahren. Wir bringen erst unser Gepäck nach Ho. Dort treffen wir Dr. N und werden sofort verplant. Er hat für den Nachmittag gleich zwei Treffen organisiert.
Also eiliger Aufbruch. Fahrt durch die Berge, alles grün, der letzte Teil der Strecke eine schmale, rote Piste. Oben ein Dorf mit Aussicht. Und die EP Church ist auch vertreten. Es gibt dort oben ein Lehrerseminar.
Wir steigen zum Gipfel hoch, ca 25 Minuten Aufsteig bei etwa 35 Grad Wärme. Das Gipfelkreuz wurde von Deutschen errichtet. Die Aussicht ist schön, wird allerdings durch den Dunst des Harmattan getrübt. Fotos, Fotos - und Abstieg. Eile, Eile. Wir sollen pünktlich zum Essen in Ho sein.
Auf dem Rückweg ein Telefonat von Dr. I. Er hatte Kontakt mit der GTZ (Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit) und nennt mir den Namen und die Telefonnummer eines Ethiopiers, der wohl gut Deutsch spricht und sich um Wasserprpojekte kümmert. Ich werde versuchen, mit ihm einen Termin in Accra zu verabreden.
Um 15 Uhr das erste Gespräch mit dem neuen Moderator der EP CHurch und dem Clerk of Assembley. Beide sind erst seit wenigen Wochen im Amt. Sehr nett, wie immer freundliche Worte. Aber diesmal habe ich den Eindruck, dieser Moderator will Veränderung, ist offen und interessiert. Sehr überraschend. Er fragt jede von uns nach dem Beruf und nach den Erfahrungen in Ghana. Als ich sage, dass ich im Bereich Leadership berate und lehre, springt er geradezu auf die Begriffe Beratung und Führung. Er sagt, ich sei jetzt zum vierten Mal in Ho, beim fünften Mal möchte er von mir etwas über Führung lernen. Ich möge im Headquarter ein Training für die Führungskräfte der EP Church durchführen. Alle Mitarbeiter der Kirchenverwaltung haben in der vergangenen Woche an einem SODIS Workshop teilgenommen, sogar die Ehefrauen der Executives. Das gab es unter dem vorherigen Moderator nicht. D.h. jetzt wissen alle, was wir hier tun und dass SODIS insbesondere in den ländlichen Bereichen hilfreich ist.
Für Montag, unseren letzten Tag in Ho verabreden wir ein ein Abschlussgespräch.
Um 16 Uhr dann ein erstes Gespräch mit den Frauen vom Mobil Clinic Team. Insbesondere die Leiterin ist interessiert, offen und sehr präsent. Sie haben in den 10 Dörfern, die sie regelmäßig einmal im Monat besuchen die Chiefs angesprochen, SODIS vorgestellt und alle haben ihr GO! gegeben, SODIS in die Dörfer zu bringen. Es sollen Workshops für die jungen Mütter mit Kindern und Schulkinder geben.
17 Uhr - Schluss für Heute. Feierabend. Wäsche in die Wäscherei bringen, Bericht schreiben - es gibt einen passenden Adapter!!
Donnerstag, 26.02.09
Heute läuft alles nach Dr. Ns Plan.
7.20h Frühstück
8h Morning Devotion. Das ist die Morgenandacht, an der alle Mitarbeiter der Verwaltung teilnehmen sollen. Sie beginnt pünktlich. Wer zu spät kommt, muss sich leise in die Andacht einfinden und ist nicht zu übersehen. Eine gute Erziehungsmaßnahme für Pünktlichkeit. Das Thema der Predigt ist Wasser des Lebens, nach Johannes, 4, 7-14. Es grundiert unsere Arbeit mit SODIS und bindet uns in die Gemeinschaft ein.
Um 8.50h soll es losgehen. Aber es dauert. Unsere Programme sind noch nicht ausgedruckt.
Fahrt nach Tongor, fast am Volta See. Eine Junior High School, in der Schüler und Lehrer ausgebildet wurden, SODIS zu praktizieren. Sobald die Flaschen da sind, können die Schüler die SODIS Methode nutzen.
Ein Stück weiter zum großen Markt von Tongor. Direkt am Wasser des Lake Volta. Tausende von Menschen. Ich sehe die Keime direkt auf mich zu springen. Fisch und Vieh werden direkt am Boden geschlachtet. Und offensichtlich gibt es dort in den Ständenan der Straße den gesamten Bedarf eines Haushalts zu kaufen.
Die nächste Schule: 100 Flaschen für 100 Schüler. Ernsthafte Aussagen zum Herstellen von SODIS Wasser. Hört sich gut an. Die Lehrer haben gemeinsam mit den Schülern einen SODIS Tisch gebaut, auf dem die Flaschen liegen. Die Zeit, diese Flaschen zu füllen: 1.5 Stunden. Bisher einmal am Tag, vor Schulbeginn. Wenn die Schüler nur noch SODIS Wasser trinken sollen, brauchen sie wenigsten die doppelte Anzahl von Flaschen.
Zum Schluss Wegbe Kpalime. Da gibt es mehr als 700 Flaschen für etwa 300 Kinder. Die SODIS Clubs sind für die Herstellung von SODIS Wasser zuständig. Die Flaschen sind auf einem SODIS Tisch und einem Dach sichtbar. Dieses ist die Vorzeigeschule. Sie hat einen vom Staat ausgeschriebenen Wettbewerb gewonnen, in dem es um die Hygiene in und um die Schule geht.
Um 4 Uhr geht es bei Dr. N im Büro weiter. Prüfung der Buchhaltung ist angesagt. Für den bisherigen Projektabschnitt gibt es eine Buchhaltung. Die sieht gut aus. Wir ordnen die Belege den einzelnen Kostenbereichen des Budgets zu.
Gegen 20h gehen wir essen, trinken ein Bier (o,6 Liter Flaschen!) und gehen schlafen. Es war ein langer Tag.
Freitag, 27.02.09
Immer noch Februar, bei 35 Grad Hitze.
Heute stehen zwei Dörfer in der Adaklu Region auf dem Programm, in denen das Mother and Child Program laufen soll. Sie sind nicht weit von Ho entfernt. Wir sind mit der Leiterin des Mobil Clinic Teams unterwegs.
Das erste Dorf ist eine Siedlung unweit der großen Stadt Ho, nur über Piste zu erreichen. Arm. Die Menschen leben auf dem Boden. Alle Vorbereitungen fürs Essen finden auf dem nackten Sandboden statt. Das Wasser wird in offenen Schalen transportiert und gelagert.
Wir sehen uns zuerst die Wasserstellen an; Teiche, etwa 10 Minuten von der Siedlung entfernt. Bisher trinken die Menschen das Wasser unbehandelt. Diarrhoe ist nach Aussage der Krankenschwester eine häufige Folge.
2 Kilometer entfernt endet die Wasserleitung. Eigentlich wollen sie eine Wasserleitung ins Dorf haben. Es ist aber nicht absehbar, wann die Regionalverwaltung diese Siedlung an die Wasserleitung anschließen wird. SODIS ist für dei Menschen die zweitbeste Lösung
Adaklu 2. Eine andere Siedlung. Menschen aus mehreren Dörfern sind zusammengekommen. Zwei Frauen dabei, die eine zuständig für Gesundheit und Hygiene im Dorf, die andere die Sprecherin der Frauen eines anderen Dorfes. Uns wird die Kommunikation nicht klar. Tonfall, Gestik, Mimik und Stimmern lassen auf kritisches Gespräch schließen. Uns sagt N “alles fein. Alle sind dankbar.”
Schwierig, wenn man weder weiss, wie die eigenen Wort übersetzt werden, noch wie das übersetzt wird, was die anderen sagen.
Samstag, 28.02.09
Am Morgen Fahrt nach PEKI. Dr. N muss an einer Beerdigung teilnehmen und hat uns eingeladen, mit zu kommen. In einer großen Kirche im Rohbau findet ein Gottesdienst für zwei Tote statt. Es stehen zwei Särge vor dem Altar. Die Familien sind an ihren "Tartans" erkennbar. Jede Familie hat ein eignes Muster für ihre Bekleidungsstoffe. In diesem Fall sind die Stoffe weissgrundig mit schwarzem Muster. Die Tote war sehr alt, 90 Jahre. Bei Beerdigungen für junge, oder durch Unfall zu Tode gekommene Menschen wird Rot getragen. Schwarz ist die unspezifische Trauerfarbe. Es ist beeindruckend, wie viele Kleider-, Hemd- und Anzugsvarianten es für diesen Anlass gibt.
Diese Beerdigung ist eigentlich ein riesiges Familienfest mit vielen Unterhaltungsanteilen. In der kurzen Zeit, die wir dabei sind, gibt es eine Liveband mit Sängern und eine Trommel und Tanzgruppe. Verstorben ist Tina bereits im November. Die Terminabstimmung mit der weit verzweigten und über Ghana verstreuten Familie war wohl nicht leicht und die Vorbereitungen für ein Fest mit ein paar Hundert Menschen dauert. Die Tote wurde solange in speziellen Kühlkammern gelagert.
Zurück nach Ho, zurück zur Buchhaltung. Auf dem Weg in Ns Büro schlage ich meinen Mitreisenden vor, die Fahrt nach Dambai, die für die nächsten zwei Tage geplant ist, ab zu sagen. Beide sind froh. Sie halten es auch nicht für zielführend, hier unerledigte Themen zu haben und dann zwei Tage für vier Stunden Besuch auf der Piste zu verbringen. Wir diskutieren, was diese Absage für Dr. N bedeuten mag und wie ich es ihm am besten sage. Er wartet schon. Er bringt weitere Belege gefunden.
Nach dem Essen prüfen wir drei Frauen alleine weiter, stoßen auf Fragen, unverständliche Sachverhalte. Ganz langsam dringen wir von der Oberfläche in die Sachverhalte ein. Finden Antworten.
Sonntag, 01.03.09
Um 9 Uhr in Nfodwos Büro. Eine Frau aus unserer Gruppe muss heute abreisen. Sie wird um 12 Uhr abgeholt. Ein komisches Gefühl, wenn ein Gruppenmitglied fehlt.
Wir arbeiten weiter mit N. Die Additionen ergeben, dass unser Bemühen, die Belege den einzelnen Budgetgruppen zu zu ordnen erfolgreich war. Die Bilanz stimmt, sie sieht nicht nur gut aus, sie ist auch inhaltlich in Ordnung. Ich bin froh. Jetzt können wir diese Projektphase beenden und uns der nächsten Phase zuwenden.
Wir entwickeln mit und für N ein Ordnungssystem, das es ihm erleichtern kann, die Belege in der nächsten Projektphase gleich den Kostengruppen zu zu ordnen.
Abends etwas eher Schluss als in den letzten Tagen. Wir treffen einen Vertreter der Norddeutschen Mission und die Mitglieder seiner Gruppe, essen zusammen und berichten gegenseitig von unseren Erfahrungen. Es tut gut, hier vertraute Menschen zu treffen, sich aus zu tauschen.
G berichtet kurz aus dem neuen SODIS Projekt Mother and Child. Er scheint sich zu freuen, darin mit arbeiten zu dürfen.
Ein arbeitsreicher Sonntag - mit einem guten Ergebnis.
Montag, 02.März 2009
Unser letzter Arbeitstag in Ho. Nach dem Frühstück ereiche ich den durch Dr. I vermittelten GTZ Menschen. Er arbeitet nicht mehr in dem Wasserprojekt, verweist mich an die Deutsche Botschaft und gibt mir die Telefonnummer einer Mitarbeiterin der Botschaft. Ich erreiche auch sie. Sie ist zuständig für wirtschaftliche Zusammenarbeit - und damit nicht zuständig SODIS. Die für NGOs zuständige Frau ist im Urlaub. Ich bekomme ihre Emailadresse. Da muss ich halt mailen. So schnell geht es dann wohl doch nicht.
Nun kommen wir zur Planung des Verteilsystems für Flaschen (bottle supply). N stellt uns sein Konzept vor. Er will 4 Verteilstationen in vier Orten einrichten, die so zentral liegen, dass sie von den bereits trainierten SODIS Nutzern in einer Region gut zu erreichen sind. Das sind HO, Kpeve, Hohoe und Dambai. In allen Orten gibt es Märkte, an den die Menschen ihre Produkte verkaufen und selber einkaufen. Es ist vorgesehen, die Händler bei Bedarf mit Kleinkrediten (microcredits)bei der Investition zu unterstützen. Es gibt in Ns Abteilung einen Berich microcredit, d.h. Erfahrung mit dem Thema. Dr. N hat auch bereits die Größenordnung der zu kaufenden Flaschen ermittelt. Ausgehend von ca. 4000 Menschen, die in der Anwendung von SODIS geschult sind und mindestens drei Flaschen pro Person, werden 12tsd. Flaschen benötigt. Ca 1000 sind bereits verteilt, 1000 weitere lagern in Ns Depot. Also müssen 10tsd. gekauft werden. Wir entwickeln einen Projekt- und Zeitplan für die nächsten 6 Monate. Wir betrachten den Plan aus den verschiedenen Perspektiven von Händlern, Nutzern, EP Church. Es sollte gelingen.
Mother and Child
Auch zu diesem neuen Projekt, das durch eine großzügige Spende an meinen Club ermöglicht wird, hat Dr. N sich bereits viele Gedanken gemacht. Er hat auch ein Budget für ein Jahr entwickelt.
In der Adaklu Region werden 10 Dörfer vom Mobile Clinic Team besucht. Dort hat er die Chiefs, Dorfältesten über SODIS informiert (Community Entry). Sie wollen SODIS anwenden. In der nächsten Phase werden kleine Workshops für Mütter und Kinder stattfinden. Da es in der Region bisher keine Schule gibt, die SODIS praktiziert, sollen diese Workshop mit den Schulkindern stattfinden. Im Schulgelände oder unter dem großen Baum auf dem Dorfplatz. Öffentlich und nicht im Haus des Chiefs. Je nach Teilnahme und Kinderzahl können auch hier ca 12tsd. Flaschen benötigt werden. Die Verteilstation für Adaklu ist Ho. Auch hier entwickeln wir einen detaillierten Projekt- und Ablaufplan, aus dem hervorgeht, wer wann was in den Dörfern macht und wie berichtet wird.
Um 18 Uhr Abschlussbesprechung beim Moderator. Wir berichten wo wir waren, was wir getan haben, welche Erfahrungen wir gemacht haben insbesondere mit der mit oral culture, welche Ergebnisse wir erzielt haben, was nicht so gut war, was wir uns wünschen. Das werde ich noch einmal schriftlich machen.
Oral culture - die Kultur des miteinander Sprechens. Wir haben viel dazu gelernt. Genaues zuhören, wahrnehmen von Stimmlage, Gestik, Mimik erleichtern das Verstehen. Informationen werden in Geschichten weitergegeben. Während ich einen Sachverhalt in wenigen Sätzen schildere, übersetzt N wortreich und braucht viel mehr Zeit.
Der Moderator geht ausführlich auf unsere Berichte ein, erwähnt noch einmal ausdrücklich, dass er wirklich einen Workshop zum Thema Führung haben möchte. Ich biete ihm an, dies im nächstes Jahr zu machen und bitte um Ideenaustausch per Mail.
Dem Besuch des Dekans in Bremen steht nichts entgegen, wenn die NM sich in der Lage sieht, zusätzlich zu ihm, dem Moderator selbst und dem Assembley Clerk auch noch SA ein zu laden. Wait and see ist hier wohl die Devise...
Anschließend sind wir bei Dr. N zu Hause zum Essen eingeladen. Ein liebevoll gedeckter Tisch. Leckeres Essen und - ungewöhnlich - die Frau sitzt mit am Tisch und beteiligt sich an der Unterhaltung. Die Söhne bedienen uns. Sehr zurückhaltend, sehr freundlich. Ein schöner Abschluss dieser Reise.
In diesem Bericht werden aus Datenschutzgründen Namen nur als Kürzel genannt. Auch werden Personen auf Fotos nicht benannt.
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GILLBT-Guesthouse

Garten GILLBT-Guesthouse

Agogo-Toilettenanlage

Agogo-Küchenhaus

Agogo-Kinderstation


Agogo-Tankstelle


Tafo - Monkey Sanctuary


Mount Gemi

Mobil-Clinic-Team

Tongor - JHS

Tongor - Markt


Kpeyiborme - SODIS Tische

Kpeyiborme - SODIS Club

Wegbe Kpalime - SODIS Club

Adaklu- Fufu stampfen

Adaklu - Wasser holen

Adaklu 2 - Feuerstelle

Adaklu - Wasserholen

Peki - Beerdigung

Peki - Beerdigung

Peki - Beerdigung |